Kurzfassung der Evaluationsergebnisse
Die Evaluation des Projektes VIB hatte zunächst einmal
die akademische Medienkompetenz sowohl der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter im Projekt als auch der Studierenden in VIB Veranstaltungen
in den Fokus ihrer Forschungsaktivitäten gestellt.
Insbesondere die Frage, inwieweit sich die akademische Medienkompetenz
durch die Mitarbeit im Projekt VIB oder durch eine Teilnahme als
Studierende an VIB Veranstaltungen verändert, galt es zu
beantworten. Außerdem waren Randbedingungen des Lernens
in virtualisierten Seminaren von Interesse. So etwa die Motivation
zum Arbeiten mit virtuellen Medien, Emotionen bei der Arbeit mit
neuen Medien oder Vorerfahrungen mit Computern und virtuellen
Medien.
Nach der letzten Beiratsempfehlung sollte das Evaluationsprojekt
grundlegend neu ausgerichtet werden. Ziel einer Wirkungsanalyse
war aus nutzungskritischen Rückmeldungen Anregungen für
eine Optimierung der virtualisierten Lehr- und Lernmodule oder
didaktischen Studienumgebungen zu erhalten. Zunächst konnte
nach der Entwicklung und empirischen Fundierung eines heuristischen
Modells zur akademischen Medienkompetenz eine Veränderung
der Medienkompetenz bei Lehrenden wie Studierenden nachgewiesen
werden. Sie konnten signifikante Kompetenzgewinne durch ihre Mitarbeit
in oder Teilnahme an virtualisierten Veranstaltungen verbuchen
(Wilcoxon Test) und zwar in instrumentell-technischer (p=000***),
inhaltlich-kognitiver (p=000***) und sozial-kommunikativer Hinsicht
(p=001**).
Virtuelle Einzelfallanalysen stützen diese anhand von Fragebogen-Erhebungen
gewonnenen Daten. Hier bestätigten Lehramts- Studierende,
dass sich durch den Besuch der (teil-)virtualisierten Seminare
des Projektes VIB ihre Kompetenzen im Umgang mit neuen Medien
verbesserten - insbesondere im Hinblick auf den zukünftigen
Lehrerberuf. In Selbsteinschätzungen äußerten
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von VIB ihre Auffassung seit
Projektbeginn umfangreiche computerbezogene Kompetenzen hinzu
gewonnen zu haben.
Die Auswertung eines auf der Basis des Kompetenzmodells „Virtuelle
Medien” entwickelten Medienkompetenzfragebogens, der Studierenden
in VIB-Seminaren (Umfang N=91) zur Beantwortung vorgelegt wurde,
erbrachte interessante Informationen. Bezüglich der erhobenen
technischen Teilfertigkeiten schätzten die Probanden ihre
Fähigkeiten im Umgang mit EMails, Suchmaschinen und beim
Surfen im Internet am besten ein. Am schlechtesten rangierten
bei ihnen die Teilnahme an Videokonferenzen, Foren oder Newsgroups
oder der Umgang mit Bookmarks. Ein in den Medienkompetenzfragebogen
eingebauter objektivierter Wissenstest stellt diese subjektiven
Einschätzungen auf den Kopf. Hier schnitten die Probanden
bei den Fragen zu E-Mails am schlechtesten ab, während sie
über die Handhabe von Bookmarks sehr gut Bescheid wussten.
Was die Vorerfahrungen der Studierenden in VIBSeminaren betrifft,
so fallen die subjektiven Einschätzungen der computerbezogenen
Kenntnisse besser aus als die tatsächlich vorhandenen Kenntnisse.
Dominierende Emotionen bei der computergestützten Arbeit
und Kommunikation waren Gefühle der Freude und des Interesses.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Projekt VIB gingen in
hohem Maße intrinsisch motiviert und engagiert an die Arbeit.
Angesichts des mit dem erfolgreichen Prozess des Virtualisierens
von Lehrveranstaltungen verbundenen erheblich höheren Arbeitsaufwandes
(auch für die Studierenden) verwundert dieses Ergebnis nicht.
Die Projektmitarbeiter verfügten auch bereits über erhebliche
Vorerfahrungen im Umgang mit vernetzten Computeranwendungen zu
Beginn des Projektes. Sie haben während der Laufzeit von
VIB dennoch in erheblichem Umfang computerbezogene Kompetenzen
dazu gewinnen können. Diesen Kompetenzgewinn führen
sie nahezu ausschließlich auf ihre Mitarbeit im Projekt
VIB zurück.
Den Beiratsempfehlungen folgend wurden vorhandene Erhebungstools
im Sinne einer Wirkungsanalyse und zu Bewertungszwecken von virtualisierten
Lehr- und Lernmaterialien entsprechend ausgewertet oder aber neue
Erhebungsinstrumente zu diesem Zwecke geschaffen. Eine Vorher-/Nachherbefragung
unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Kontrollgruppe ergab,
dass die in VIB tätigen Personen in allen gemessenen Bereichen
vernetzter Computeranwendungen „Hardware”, „Software”,
„Arbeitsstil” und „Kommunikation” besser
abschnitten als die Probanden der Kontrollgruppe. Auch möchten
sie (in Lehre, Forschung und Verwaltung) in höherem Umfang
zukünftig von Computeranwendungen Gebrauch machen als die
Befragten der Kontrollgruppe. Und dies trotz der Tatsache, dass
diese vernetzten Computeranwendungen – so die Anmerkungen
in einer offenen Kategorie - ihren „eigenen” Aufwand
erzeugen, zu größerer Flüchtigkeit verleiten,
das „Alltagsgeschäft” unter Umständen behindern
oder viel Zeit erfordern.
Für VIB-Mitarbeiter waren vernetzte Anwendungen interessanter
und persönlich wichtiger als für die Probanden der Kontrollgruppe.
Sie machten ihnen auch mehr Freude und waren herausfordernder
als für jene Befragten, die nicht im Projekt arbeiteten.
Nicht zuletzt dieser positiven Erfahrungen wegen würden die
meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gerne wieder in
einem dem VIB vergleichbaren Projekt arbeiten. Die Erkenntnisse
aus VIB konnten von den Mitarbeitern in hohem Umfang auch außerhalb
des Projektes angewendet werden.
Eine Fragebogen-Erhebung unter Studierenden aus VIB-Veranstaltungen
(Umfang N=94) erbrachte, dass virtuelle Medien weiterhin ein fester
Bestandteil der Lehre an Pädagogischen Hochschulen sein sollen.
Der Einsatz der neuen Medien in VIB-Seminaren war insgesamt gut
bis sehr gut, der Inhalt der jeweiligen Veranstaltung wurde durch
den Einsatz neuer Medien gut unterstützt. Dies auch deshalb,
weil die virtuellen Anteile der Veranstaltung technisch gut gemacht
waren. Insgesamt haben die Seminare durch den Einsatz neuer Medien
im Vergleich zu herkömmlichen Veranstaltungen an Qualität
gewonnen. Um ein sehr differenziertes Bild aus den jeweiligen
VIB-Seminaren mit ihren jeweiligen spezifischen virtuellen Anreicherungen
erhalten zu können, sind Studierende im Rahmen von Fokusgruppen-Interviews
umfangreich befragt und die Ergebnisse den Teilprojekten zeitnah
rückgemeldet worden. Bei den studentischen Beurteilungen
überwogen Vorschläge zur Verbesserung der Organisation,
der technischen Ausstattung und ihrer eigenen Eingangsvoraussetzungen
für virtualisierte Seminare.
Die wichtigsten Anregungen der Studierenden bezogen sich auf
den Wunsch nach vorherigen Einführungen in die qualifizierte
Arbeit mit Tele- oder Multimedia und auf das Vermeiden (unvermeidlicher)
Pannen im Hardware- und im Softwarebereich der eingesetzten virtuellen
Additive. Wesentlich auch, dass „vor lauter Methoden und
Medien“ nicht die Inhalte der Veranstaltungen „vernachlässigt”
werden sollen. Aus Sicht der Evaluation hat das Projekt VIB die
gesteckten Ziele für eine effektive und methodisch-didaktisch
sinnvolle Implementation der neuen Medien in den Alltag der akademischen
Lehre an Pädagogischen Hochschulen mehr als erreicht.
(Ausführlicher
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