| Rose Vogel, Sven
Wippermann
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Juli /August
2003
| Motivation
Der Anlass
für die Weiterentwicklung der Beschreibungsmethode Design
Pattern sind die im Rahmen des Verbundprojekts VIB
entwickelten Lehr-Lern-Konzepte. Das Erfahrungswissen,
das während der Laufzeit des VIB-Projekts von den wissenschaftlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Konzeption von
Lehrveranstaltungen mit Nutzung computerbasierter Medien
aufgebaut wurde, soll im Sinne eines Wissensmanagement-Prozesses
(vgl. Reinmann-Rothmeier & Mandl 2000) identifiziert,
expliziert, kodifiziert, dokumentiert, kommuniziert und
genutzt werden.
Die Herausforderung besteht nun darin, dieses „Expertenwissen“
in geeigneter Weise zu er-heben und so aufzubereiten,
dass es für Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachdisziplinen
nutzbar wird. Dies erfordert eine Form der Beschreibung
von Veranstaltungskonzeptio-nen, die vom konkreten Fach
absieht, aber so präzise ist, dass das didaktische Vorgehen
von weiteren Lehrpersonen in anderen Inhaltskontexten
wiederholt bzw. punktuell angepasst und modifiziert werden
kann. Wir haben dazu Lehr-Lern-Arrangements in kleinere,
abgeschlossene Einheiten zerlegt. Diese lassen sich leichter
beschreiben, da sie überschaubarer sind. Au-ßerdem lassen
sie sich für neue Lehr-Lernkontexte adäquat arrangieren.
Damit steht im Zentrum einer solchen „didaktischen
Einheit“ die Dokumentation eines gestalteten Lehr-Lernprozesses,
der mit computerbasierten Medien unterstützt wird. Ein
Beispiel wäre die Gestaltungseinheit „Wöchentliche
Aufgaben“.
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„Kurzbeschreibung
Wöchentliche Aufgaben werden zwischen den wöchentlichen
Seminarsitzungen bearbeitet. Die Bearbeitung wird durch
die Verwendung einer internetbasierten Groupware, z.B. BSCW,
unter-stützt. Auf die wöchentlichen Aufgaben erfolgt ein
regelmäßiges Feedback. Zielsetzungen,
didaktische Motivation
Vorbereitung auf die Seminarsitzung und Einführung in
die Thematik sowie Rückmeldung des Kenntnisstandes der
Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer an die Vortragenden.“
(Auszug aus
dem Didaktischen Design Pattern „Wöchentliche Aufgaben“)
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Wahl der Beschreibungsmethode
Welches Beschreibungsmittel eignet sich für die Dokumentation
solcher wieder verwendbarer Einheiten am besten?
Interessante Anhaltspunkte bieten Beschreibungsverfahren
aus dem Bereich des Software Engineerings, die von Schroeder
(2002) in ersten Ansätzen für didaktische Kontexte angepasst
wurden. Es hat sich in der Projektarbeit von VIB gezeigt,
dass sich Design Patterns als semiformale, textbasierte
Beschreibungsform für das Ziel „didaktisches Gestaltungswissen“
über die Grenzen einzelner Fächer hinweg zu kommunizieren
und zu nutzen am besten eig-nen. Diese Pattern Language
geht auf Christopher Alexander(1977)
zurück, der diese Art der „Sprache“ für die
Architektur entwickelt hat.
Didaktische Design Pattern
Im Sinne von Alexander stellt eine „didaktische Einheit“
ein Pattern dar. Solche Didaktischen Design Pattern werden
entlang einer klaren Beschreibungsstruktur entwickelt. Dies
hat zum Ziel, didaktisches Wissen und damit letztendlich
didaktische Kompetenzen ohne großen Qualitätsverlust weiterzugeben.
Klare Strukturen und Beschreibungsvorschriften verringern
im positiven Sinne den Interpretationsspielraum und garantieren
auf diese Weise, dass möglichst viel von dem „Gemeinten“
auch weitergeben werden kann. Im Rahmen des VIB-Projekts
wurde die bei Schroeder (2002) beschriebene Struktur
weiterentwickelt und in einem „Meta-Pattern“
zusammengestellt.
Die Beschreibung einer „didaktischen Einheit“
umfasst
• formale Aspekte, wie Name und Autor des Pattern
• inhaltliche Aspekte wie eine Kurzbeschreibung und
die konkrete Durchführung
• kontextuelle Aspekte z.B. Vorschläge, wie diese
Einheit in eine Hochschulveranstaltung eingebunden werden
kann
• konkrete Beispiele
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„Durchführung
Die wöchentliche Aufgabe wird jeweils zu einem bestimmten
Termin in die Groupware einge-stellt. Auch die Bearbeitungsergebnisse
der Studierenden finden im gemeinsamen Arbeitsbereich der
Groupware ihren Ort. Der Bearbeitungszeitraum und Abgabetermin
ist festgelegt und wird auch strikt kontrolliert, da die
Bearbeitungen zur Vorbereitung des Seminars gebraucht werden.
Das Feedback für die Bearbeitung erfolgt individuell (per
E-mail) oder für alle Studierenden des Seminars erkennbar
im Rahmen der Möglichkeiten der Groupware. Das Feedback
kann durch die Lehrperson erfolgen oder durch einzelne Studierende,
die sich z.B. im Rahmen eines Vortrags für ein Seminarthema
speziell vorbereitet haben. Einbindung
in den Seminarkontext
Wöchentliche Aufgaben können jederzeit (durch Aushang,
im WWW, in der Groupware oder per E-mail) gestellt werden.
Die Rückmeldung in elektronischer Form erleichtert die
Zusammenfas-sung und Aufbereitung für die Seminarsitzung.
Konkretes Beispiel
Beispiel aus einem Fachdidaktischen Hauptseminar im Rahmen
des Lehramtsstudiums für Grund- und Hauptschulen an der
Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.
Rahmenthema: Veranschaulichen
Aufgabenstellung:
Bearbeitungsgrundlage: http://www.mste.uiuc.edu/users/carvell/rectperim/RectPerim.html
1. Beschreiben Sie zunächst, welcher Sachverhalt mit diesem
Applet dargestellt wird.
2. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie beim Einsatz dieses
Applets im Unterricht.
3. Beschreiben Sie kurz eine Unterrichtssequenz, in der
dieses Applet eingesetzt werden kann.“
(Auszug aus
dem Didaktischen Design Pattern „Wöchentliche Aufgaben“)
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Neben
der Erstellung einzelner Patterns muss auch eine „Sprache“
gefunden werden, wie die Vielzahl entstandener Pattern
für die Gestaltung von computerunterstützten Lehr-Lernprozessen
genutzt werden können. Wir haben hierzu ein Kategoriensystem
entwickelt, das sich an Wissensmanagementprozessen (vgl.
Reinmann-Rothmeier & Mandl 2000) orien-tiert. Diese
Art der Kategorisierung der in VIB entwickelten Patterns
(ca. 25) soll den einzel-nen Lehrpersonen die Suche nach
adäquaten Pattern erleichtern. Von uns gewählte Kategorien
sind: Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen, Präsentation,
Kommunikation / Kooperation, Evaluation.
Sucht eine Lehrperson eine computerunterstützte Form der
Veranstaltungsvorbereitung, schaut sie unter der Kategorie
Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen nach. Sie findet
in dieser Kategorie neben Pattern wie „Vorbereitung
einer Seminarsitzung mit Hilfe einer Studienumgebung und
Arbeitsaufträgen per E-mail“ z.B. das Pattern „Wöchentliche
Aufgaben“. In diesem Pattern wird das Vorgehen genau
beschrieben, mögliche Varianten und potenzieller Problemstellen
genannt. Die Lehrperson entscheidet dann, ob diese Einheit
in die von ihr geplante Veranstaltung passt. Wenn ja,
muss die Lehrperson natürlich noch eine Anpassung vornehmen,
d.h. für unser konkretes Beispiel: es muss z.B. überlegt
werden, wie häufig solche wöchentlichen Aufgaben gemacht
werden sollen und wer das Feedback geben soll.
Literatur
Reinmann-Rothmeier, G. & Mandl, H. (2000). Individuelles
Management. Strategien für den persönlichen Umgang mit
Information und Wissen am Arbeitsplatz. Bern: Huber.
Schroeder, U. (2002). Specification of Virtualization
Processes in University Education.
Alexander, Ch., Ishikawa, S., Silverstein, M., Jacobson,
M., Fiksdahl-King, I. & Angel S. (1977). A Pattern
Language. Towns, Buildings, Construction. New York: Oxford
University Press.
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