| Ziele und Inhalt
Das Teilprojekt 1.1, ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für
Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik der PH Heidelberg,
entwickelte und erprobte Modelle einer teilvirtualisierten Lehre
im Rahmen der Deutschlehrerausbildung. Thematisch und hinsichtlich
der fachlichen Methoden lag der Schwerpunkt auf dem Grundwissen
des Fachs, verstanden als Kanon von Fachkenntnissen und als basales
didaktisches und methodisches Wissen. Im Rahmen des Projekts wurden
netzbasierte Lehr-/Lern-Einheiten zur Gestaltung medial unterstützter
Lehrveranstaltungen erarbeitet und mit seminarbegleitenden Online-Arbeitsbereichen
und webbasierten Diskussionsforen eine Infrastruktur zur flexiblen
Anpassung des virtualisierten Anteils an die inhaltlichen und
hochschuldidaktischen Bedürfnisse des jeweiligen Kontextes
bereitgestellt. Wesentliches Forschungsziel war die Erprobung
und didaktische Bewertung unterschiedlicher Nutzungsmodelle des
Angebots dieser Virtuellen Lernumgebung im Verhältnis zu
den jeweiligen fachlichen Inhalten.
Dazu konzipierten und verfassten die Autorinnen und Autoren aus
dem Fachkollegium, zunächst i.d.R. in enger Abstimmung auf
eigene Veranstaltungsvorhaben, thematisch eingegrenzte Lehr-/Lern-Module,
die von einem technischen Team in Online-fähige "Anwendungen"
umgesetzt wurden. Aus den Erfahrungen und der Auswertung der Pilotveranstaltungen
- der ersten, didaktisch auf den Einsatz des Onlineangebots hin
entworfenen Seminare - konnten gleichermaßen Rückschlüsse
für künftige Nutzungsszenarien dieser Module gezogen
werden wie die Nutzbarkeit derselben bzw. ihrer konzeptionellen
und technischen Umsetzung kritisch revidiert und verbessert werden.
Die entstandenen Einheiten stehen in der Folge ebenso zur Nutzung
durch andere KollegInnen wie zum Selbst- oder Vertiefungsstudium
durch die Studierenden offen zur Verfügung.
In seiner praktischen Dimension ging es dem Vorhaben zugleich
darum, die zunächst zentralen Einführungsveranstaltungen
hinsichtlich der detail- bzw. wissensorientierten Stoffvermittlung
zu Gunsten der Erarbeitung bzw. Darstellung des Wissenskontexts
zu entlasten und um Möglichkeiten einer kontinuierlicheren
und paritätischeren Beteiligung der Studierenden zu erweitern.
Für die NutzerInnen sollte die partielle Virtualisierung
der Lehrveranstaltungen Ansätze und Perspektiven einer Individualisierung
der Lernprozesse erschließen, insofern über das Onlineangebot
Räume sowohl für eine stärkere Eigenbeteiligung
als auch für ein nach Zeit- und Arbeitsrhythmus selbst organisiertes
Arbeiten entstehen. Implizites Ziel des Vorhabens war es dabei,
dass auf Seiten der Studierenden wie auch der Lehrenden die Fertigkeiten
zur Nutzung und Aneignung des Angebots entwickelt und damit zu
einem selbstverständlichen Umgang mit dem Medium PC ausgebaut
werden können.
Erreichtes und Ergebnisse
Während der Projektlaufzeit waren insgesamt ca. 20 Lehrende
des ausrichtenden Instituts sowie auswärtige Kooperanden
als Autoren oder Veranstalter beteiligt; in der Nutzerverwaltung
der teilnahmebeschränkten Bereiche (der Diskussionsforen)
sind ca. 550 NutzerInnen erfasst, an den rund 50 Lehrveranstaltungen,
die Angebote der Virtuellen Lernumgebung einsetzten, nahmen etwa
1800 Studierende teil (Summe der Seminarteilnehmer).
Auf Grund der Erfahrungen der Pilotphase mit der - arbeitsintensiven
- Konzentration auf die mediale Ausgestaltung von Einzelveranstaltungen
und mit der begrenzten thematischen 'Reichweite' statisch-wissensorientierter
Lerneinheiten trat neben diesem Vorhaben einer virtuellen Bereitstellung
des Basiswissens zunehmend die Einrichtung thematischer bzw. problemorientierter
Arbeitsbereiche in den Vordergrund, die stärker auf kommunikative
Prozesse und methodisches Fertigkeiten abzielten. Sie erschließen
fachspezifische Arbeitsformen wie schriftbasierte Kommunikation
oder Textproduktion mit medieneigenen Angeboten wie Online-Diskussionsforen,
gemeinsame Textarbeit im Netz oder der Gestaltung gegenstandsbezogener
Webseiten. Das Prinzip der Modularisierung virtueller hochschuldidaktischer
Bausteine wurde von den - gerade auch in diskursiv ausgerichteten
Themenbereichen erfolgreichen - Diskussionsforen auf interaktive
Test- bzw. Übungselemente, Lehr-/Lerneinheiten ("Module")
und Lehrveranstaltungen wie auch kleinere Elemente (Glossare,
Bibliographieeinträge, Primärtexte usw.) übertragen,
um so eine (technische) Infrastruktur zu schaffen, die es den
Lehrenden ermöglicht, die modularen Elemente des Online-Angebots
je nach Gegenstandsbereich und hochschuldidaktischer Zielsetzung
zu Veranstaltungs-spezifischen Arbeitsbereichen zusammen zu stellen
und in die Lehre zu integrieren.
Fortführung
Die bereits begonnene Implementierung virtueller Lehr-/Lernelemente
in das Angebot des Faches wird fortgesetzt und mit der Erarbeitung
der Studienordnungen nach den neuen Prüfungsordnungen aller
Lehramtsstudiengänge (2003) verbunden. Die bedarfsangepasste
Infrastruktur des Online-Angebots wird es den Lehrenden erlauben,
einzelne Bausteine gegenstandspezifisch und unter Berücksichtigung
der jeweiligen hochschuldidaktischen Zielsetzung individuell nutzen
zu können.
Darüber hinaus werden die Konzeption und die Realisierung
neuer Module, beispielsweise das im Sommersemester 2004 im Rahmen
eines Seminars zu entwickelnde Modul "Virtuelle Lehr-/Lernplattformen
unter deutschdidaktischer Sicht (Möbius), die bisherigen
Angebote für die Vermittlung basaler fachwissenschaftlicher
und fachdidaktischer Kenntnisse im Fach Deutsch sinnvoll ergänzen.
Die ebenfalls erfolgreich begonnene Schulungsreihe des "Mediatut"-Projekts
wird fortgesetzt, ausdifferenziert und in die Neukonzeption des
BA-/MA-Studiengangs "Mediendidaktik" integriert.Die
effektive Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen in teilvirtualisierten
Seminaren wird weitergeführt und ausgebaut. Hierzu gehören
u. a. die Kooperationen mit der Pädagogischen Hochschule
in Cakovec/Kroatien (Möbius/Engler), mit der Universität
Erlangen/ Nürnberg (Steinig/Frederking), dem Zentrum für
Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität
Ulm (Gölitzer), der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg
(Wieland/Huneke) und der Escuela Normale Medellin (Möbius).
Die Ausweitung der Ansätze von (teil-) virtualisierter Lehre
im Fach Deutsch auf andere Fächer der Fakultät für
Kulturwissenschaften wird unter Berücksichtigung der gewonnenen
mediendidaktischen Erfahrungen vorangebracht, wobei insbesondere
die neu geschaffene Stelle für Mediendidaktik die Infrastruktur
und die notwendige Unterstützung bereitstellen.
Die von den im ViB-Projekt erworbenen Erfahrungen und Kompetenzen
getragene Konzeption des gemeinsamen Mediendidaktischen Zentrums
der Universität und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg
und des von ihm zu verantwortenden Studiengangs Mediendidaktik
dient dem weiteren Ausbau der mediendidaktischen Infrastruktur,
der innovativen Verbesserung der Hochschullehre und der Qualifizierung
von Ausbildungsmöglichkeiten, sowohl im Sinne der Kompetenzgewinnung
für Lehrerinnen und Lehrer als auch im Sinne der Förderung
des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Die noch anstehenden zulassungsrechtlichen und studienorganisatorischen
Probleme werden derzeit in Zusammenarbeit der beiden Hochschulen
mit dem MWK bearbeitet.
Persönliche Homepages
Link zum Online-Angebot
Claus-Volker Klenke, 12.03
|