Hauptseite TP2
Seminarbereich
allg.Infos
Seminarplan
Chat-Zugang
Quellen
     Überblick
     Overview
     Schulsystem
     Standards
     Sonstige LP
     Literatur
Mitarbeiter
ViB Teilprojekt 2
Virtuelle Seminare zu Mathematik,
Informatik und ihren Didaktiken

Standards2000 des NCTM - ein Überblick

Originalstandards englisch: http://standards-e.nctm.org/

Überblick Leitprinzipien
Standards zu mathematischen Inhalten Standards zu mathematischen Prozessen

Wandel im Mathematikunterricht
Durch die TIMSS-Studien wird derzeit deutlich, daß der Schulunterricht in Mathematik sich zu wandeln hat. Die Konsequenzen werden verkürzt gern mit "weg von Routinetätigkeiten - hin zum Problemlösen" beschrieben.Diesen - auch nach anderen Vergleichsstudien und anderen Gründen - sicher notwendigen Wandel lediglich als methodisches Problem zu sehen, wie es heute häufig geschieht, greift entschieden zu kurz. Es wird nicht genügen, im Unterricht den Lernenden lediglich mehr Gelegenheit und Freiraum für exploratives, selbstbestimmtes Lernen in Problemlösesitutationen zu geben. Es ist vielmehr so, daß neue didaktische Modelle eingeführt, methodische Vorgehensweisen grundlegend geändert werden und so eine neue Unterrichtskultur aufgebaut wird. Als Konsequenz sind Lehrplaninhalte neu zu bewerten und neue Inhalte aufzunehmen. In der Folge ist auch die Art der Leistungsmessung zu überdenken und an die veränderten Lehr- und Lernkonzeptionen anzupassen. Statt der heutigen rein produktorientierten Leistungsmessung ist die Integration von prozessorientierten Vorgehensweisen sachgerecht. Forschungsergebnisse zu einzelnen isolierten Themen und Vorschläge zu Innovationen finden schwer den Weg in die Schulwirklichkeit, da sie in der Regel als Zusatzunterricht im alten Stil verstanden werden und sich auf einzelne Schulstufen beziehen. Es muß jedoch eine Integration in dem Sinne geleistet werden, daß immer eine ganzer inhalticher Strang von der Grundschule bis zur 12. Klasse geplant wird und sich Didaktik und Methodik entsprechend darauf einstellt. Erfolgreiche Innovationen erfordern also eine Gesamtdiskussion der Schulmathematik über alle Schulstufen hinweg in inhaltlichen, didaktischen und methodischen Fragen.

Prinzipien und Standards der NCTM:
National Council of Teachers of Mathematics der USA

Die Empfehlungen der NCTM bieten eine kohärente Gesamtsicht und Diskussion. Sie gehen aus der sehr großen und durchaus auch heterogenen Gemeinschaft der US-amerikanischen Mathematikdidaktiker hervor und begleiten seit Jahrzehnten Innovationen in der Schulmathematik: Agenda for Action 1980, Curriculum and Evaluation Standards 1990, Principles and Standards 2000. Daß ihre Umsetzung mehr in Südostasien und weniger in den USA selbst Erfolge erzielte, liegt an den spezifischen Problemen des US-amerikanischen Schulwesens.

Der Wert der Standards besteht weniger in neuen Ideen oder Vorhaben für Innovationen; alles dies gibt es auch als Einzelbeiträge in der deutschen Mathematikdidaktik oder ist auch in Lehrplänen der Schule vorhanden. Es sind vielmehr die konsequente Zusammensschau, das Aufzeigen von Längs- und Querverbindungen von Klassenstufe 1 bis 12 zwischen Teilgebieten der Mathematik und anderen Fächern, was den Wert der Standards ausmacht. (Die Principles and Standards 2000 gibt es seit Oktober 1998 als Discussion Draft unter http://www.nctm.org /standards2000)

Für einen Wandel der deutschen Schulmathematik sehen wir die Standards lediglich als kohärentes Ausgangsmaterial für eine Diskussion. Dies umsomehr, da alle Grundpositionen sehr anschaulich mit Schulbeispielen im Begleitmaterial (auch im Internet) illustriert und konkretisiert werden bis hin zu methodischen Hilfen und Anmerkungen. Die Standards sind ein work in progress. Sie werden ständig mit dem Ziel der Principles and Standards for School Mathematics 2000 weiterentwickelt und die Diskussionsergebnisse im WWW-site der NCTM dokumentiert. Es wird damit ein weiter Kreis internationaler Experten in die Diskussion einbezogen; Lehramtsstudierenden bieten sie ein weites curriculares Lernfeld. Interessant ist dabei auch der derzeitige Konzeptionsstand, der für die Principles and Standards 2000 zwei Gruppen von Standards vorsieht. Solche, die die Inhaltsebene und das mathematische Wissen thematisieren (content standards) und solche die auf den Prozess des Wissenserwerbs und -gebrauchs (process standards) abzielen.

Prinzipien und Standards für die Schulmathematik 2000 der NCTM
(nach dem Discussion Draft vom Oktober 1998, Übers. Löthe Dez. 98)

Leitprinzipien für Programme zu Unterricht in Mathematik
Die Schlüsselfragen, die behandelt werden sollen, sind:
  • Was sind die Kennzeichen von Programmen zum Unterricht in Mathematik, die allen Schüler hoch qualifizierenden Erfahrungen im Mathematikunterricht bieten?
  • Welche mathematischen Inhalten und Prozesse sollten Schüler beim Durchlaufen der Schule wissen bzw. ausführen können?
Die erste Frage wird in den folgenden Prinzipien, die zweite Frage durch die Standards behandelt.

Prinzip der Gleichheit
Programmen zum Unterricht in Mathematik sollen alle Schüler beim Lernen von Mathematik fördern.

Prinzip des Mathematikcurriculums
Programmen zum Unterricht in Mathematik sollen wichtige und bedeutungsvolle Mathematik durch kohärente und inhaltsreiche Curricula mit Nachdruck hervorheben.

Prinzip der Lehre
Programmen zum Unterricht in Mathematik hängen von kompetenten und besorgten Lehrern ab, die alle Schüler lhren, Mathematik zu verstehen und zu nutzen.

Prinzip des Lernens
Programmen zum Unterricht in Mathematik sollen Schüler befähigen, Mathematik zu verstehen und zu nutzen.

Prinzip des Beurteilens
Programmen zum Unterricht in Mathematik sollen das Beurteilen einschließen, wie man Lernen von Mathematik bei allen Schülern überwachen, steigern und evaluieren und wie dies auf das Lehren zurückwirken kann.

Prinzip der Technologie
Programmen zum Unterricht in Mathematik sollendie Technologie nutzen, um allen Schülern beim Verständnis von Mathematik zu helfen und auf die Anwendung von Mathematik in der zunehmend technologiegeprägten Welt vorzubereiten

Standards für alle Schulstufen (Vorschule bis Klasse 12)
Der gesellschaftliche Bedarf an mathematischem Verständnis ist nie größer gewesen als jetzt, und er wird weiter anwachsen. Dieser Bedarf enthält folgendes:

Mathematische Bildung
Das tägliche Leben hat in wachsenden Maße eine mathematische und technologische Basis. Unsere Schüler werden in einer Welt leben, in der intelligente Entscheidungen häufig ein Verständnis für quantitative Sachverhalte erfordern.

Kulturelle Bildung
Mathematik ist eine große kulturelle und intelektuelle Errungenschaft der Menschheit. Unsere Bürger sollten daher eine Wertschätzung und ein Verständnis für diese Errungenschaften entwickeln.

Mathematik für den Arbeitsplatz
In dem Maße wie sich das mathematische Niveau dramatisch erhöht hat, das für einen intelligenten mündigen Bürger notwendig ist, ist auch das Niveau des mathematischen Denkens und Problemlösens für den Arbeitsplatz gewachsen.
Mathematiker, Wissenschaftler, Ingenieure und anderer Nutzer von Mathematik.

Standards zu mathematischen Inhalten

Standard 1 Zahl und Verknüpfung
Programme für Mathematikunterricht sollen die Entwicklung von Vorstellungen über Zahlen und Verknüpfungen so fördern, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:
  • Zahlen, Arten ihrer Repräsentation, Beziehungen zwischen Zahlen, Zahlsysteme verstehen,
  • Bedeutung von Verknüpfungen und die Beziehungen zwischen ihnen verstehen,
  • Rechenmittel und damit verbundene Vorgehensweisen "fließend" nutzen und angemessen schätzen.
Standard 2 Muster, Funktionen und Algebra
Programme für Mathematikunterricht sollen Mustern (Regelmäßigkeiten), Funktionen, Symbole und Modellen so Beachtung schenken, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:
  • verschiedene Arten von Mustern und funktionalen Beziehungen verstehen,
  • symbolische Formen zum Repräsentieren und Analysieren von mathematischen Situationen und Strukturen nutzen,
  • mathematische Modelle nutzen und Veränderungen sowohl in realen als auch abstrakten Kontexten analysieren.
Standard 3 Geometrie und geometrische Anschauung
Programme für Mathematikunterricht sollen Geometrie und geometrische Anschauung (insbesondere Raumanschauung) so Beachtung schenken, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:
  • Kennzeichen und Eigenschaften zwei- und dreidimensionaler geometrischer Objekte analysieren,
  • verschiedene Darstellungssysteme (einschließlich Koordinatengeometrie und Graphentheorie) auswählen und nutzen,
  • die Nützlichkeit von Abbildungen und Symmetrien beim Analysieren mathematischer Situationen erkennen,
  • Visualierung und geometrisches Begründen nutzen, um Probleme sowohl innerhalb als auch außerhalb von Mathematik zu lösen.
Standard 4 Größen und Messen
Programme für Mathematikunterricht sollen den Größen und dem Messen so Beachtung schenken, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:
  • Merkmale, Einheiten und Systeme von Größenangaben verstehen,
  • ein Vielfalt von Techniken, Werkzeugen und Formeln zur Bestimmung von Größenangaben anwenden.
Standard 5 Datenanalyse, Statistik und Wahrscheinlichkeit
Programme für Mathematikunterricht sollen der Analyse von Daten, der Statistik und der Wahrscheinlichkeit so Beachtung schenken, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:
  • Fragen stellen und Daten sammeln, anordnen und darstellen, um diese Fragen zu beantworten,
  • Daten interpretieren, indem man Methoden der explorativen Datenanalyse nutzt,
  • auf Daten basierende Folgerungen, Voraussagen und Argumente entwickeln und bewerten,
  • grundlegende Begriffe und Vorstellungen des Zufalls und der Wahrscheinlickeit verstehen.

Standards zu mathematischen Prozessen

Standard 6 Problemlösen
Programme für Mathematikunterricht sollen sich so auf das Lösen von Problemen als Teil des Verstehens von Mathematik konzentrieren, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:

  • neue mathematische Kenntnisse durch die Arbeit an Problemen aufbauen,
  • eine Bereitschaft entwickeln, in Situationen innerhalb und außerhalb der Mathematik zu formulieren, zu repräsentieren, zu abstrahiern und zu generalisieren,
  • ein große Vielfalt an Problemlösestrategien anwenden und sie auf neue Situationen anpassen,
  • ihr mathematisches Denken beim Problemlösen selbst kontrollieren und reflektieren.

Standard 7 Begründen und Beweisen
Programme für Mathematikunterricht sollen sich auf das Lernen zu begründen und Beweise zu konstruieren als Teil des Verstehens von Mathematik, so konzentrieren, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:

  • Begründen und Beweisen als unentbehrlichen und schlagkräftigen Teil der Mathematik erkennen,
  • mathematische Vermutungen aufstellen und untersuchen,
  • mathematische Argumente und Beweise entwickeln und bewerten,
  • verschiedene Arten des Begründens und Methoden des Beweisens als geeigenet auswählen und nutzen.

Standard 8 Kommunizieren
Programme für Mathematikunterricht sollen die Kommunikation so zur Förderung des Verstehens von Mathematik nutzen, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:

  • ihr mathematisches Denken organsieren und fundieren, um mit anderen zu kommunizieren,
  • mathematische Ideen einheitlich, deutlich und klar gegenüber Mitschülern, Lehrern und anderen ausdrücken,
  • ihre mathematische Kenntnisse ausdehnen, indem das Denken und die Strategien anderer erwogen und berücksichtigt werden,
  • die Sprache der Mathematik als ein präzises Mittel für mathematische Äußerungen nutzen.

Standard 9 Bezüge

Programme für Mathematikunterricht sollen die Bezüge zur Förderung des Verstehens von Mathematik so betonen, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:

  • die Bezüge und Verbindungen zwischen verschiedenen mathematischen Ideen erkennen und nutzen,
  • verstehen, wie mathematische Ideen aufeinander aufbauen, um ein zusammenhängendens Ganzes zu bilden,
  • in Kontexten außerhalb der Mathematik Mathematisches erkennen, nutzen und lernen.

Standard 10 Repräsentieren

Programme für Mathematikunterricht sollen mathematische Repräsentationen zur Förderung des Verstehens von Mathematik so betonen, daß alle Schülerinnen und Schüler folgendes können:

  • Repräsentationen schaffen und nutzen, um mathematische Ideen aufzubauen, festzuschreiben und weiterzugeben,
  • ein Repertoire von mathematischen Repräsentationen entwickeln, das zweckdienlich, flexibel und passend genutzt werden kann,
  • Repräsentationen nutzen, um naturwissenschaftliche, soziale und mathematische Phänomene zu modellieren und zu interpretieren.